Ich greife mal Manuelas Kommentar zu Optimistische Aussichten auf:
„Das klingt gut im Wortlaut und ich habe mehrere Ratgeber dazu gelesen. Doch was ist mit den Menschen in unserer Gesellschaft die keine Arbeit haben - existentielle Nöte, Familienväter die ihre Familien nicht mehr ernähren können, alleinerziehnde Mütter, Renter und Kinderarmut...es ist nicht immer leicht Ressourcen zu wecken - in diesem System das für manche Menschen keine Würde hat, es gibt kranke und ängstliche Menschen....die Wahl hat ein Mensch nicht immer denke ich ..vor allem spielt es eine Rolle in welches Familie er hinein geboren wird...ich habe solche ausweglosen Situationen in meinem Leben erlebt und dagegen gekämpft...es ist leicher gelesen als getan.Doch Hoffnung gibt es immer...das auch. Aber die Wahl hatte ich meiner Meinung nach nicht immer und habe sie auch gerade jetzt nicht.Ich lebe mit der Aktzeptanz das ich manche Dinge nicht ändern kann, nicht sofort und gleich. Manchmal müssen Menschen auch so weiterleben.Alle braucht seine Zeit....liebe Grüße Manuela"
Ja, wenn man diese Menschen oder Situationen betrachtet, klingt das zunächst fast zynisch - die Wahl haben. Kinder müssen davon auch erstmal ausgenommen werden, sie
führen in der Regel noch kein eigenverantwortliches Leben und haben daher nicht die Wahl.
Und doch haben einigermaßen gesunde Erwachsene eigentlich immer die Wahl zwischen mindestens 2 Alternativen.
Dass die oft beide nicht sonderlich angenehm sind, lässt uns oftmals die Wahlfreiheit nicht erkennen. Oder aber - die eine Alternative erscheint uns so absurd und
abwegig, dass wir sie nicht ernsthaft in Betracht ziehen.
Vielleicht als ganz alltägliches, banales Beispiel - Haushalt. Da habe ich leider nicht die Wahl zwischen selbstmachen / in der Familie aufteilen und einer Perle, die das alles erledigt, die Finanzen sagen zur letzten Möglichkeit ganz klar NEIN. Und doch habe ich eine (nicht ganz ernsthafte) Alternative: liegenlassen, nicht machen. Wenn ich mir das dann entstehende Chaos vorstelle, dann besiegt diese Vorstellung doch recht schnell die Unlust und ich mache zumindest das Nötigste und verteile Aufgaben auf die unwillige Familie. Und durch den Gedanken, wird mir dabei zumindest manchmal wieder bewusst, warum das alles gemacht wird, nicht weil „man muss", sondern weil ich ein Grundmaß an Sauberkeit und Ordnung als wichtig erachte. Wie hoch der Maßstab dabei gelegt wird, liegt in meinem Ermessen.
Oder aber, als wesentlich heikleres Beispiel, die Gesundheit. Vor die Wahl gestellt, möchte sicherlich niemand bewusst und absichtlich krank sein. Und es gibt
genügend Krankheiten, die nicht wirklich vermeidbar sind.
Lassen wir jetzt die typischen „Zivilisationskrankheiten" in Folge unseres Lebensstils außen vor und betrachten nur die Krankheiten, die wirklich als „Schicksalsschlag" anzusehen sind, so bleibt mir doch immer noch die Wahl, wie ich damit umgehe. Ob ich mich in mein Schicksal füge, die Verantwortung den behandelnden Ärzten übergebe und auf diese Weise mit der Krankheit lebe, oder ob ich meine Eigenverantwortung erkenne und schaue, was ich selbst zu meinem Befinden beitragen kann, wie ich Psyche und Immunsystem stärken kann und durch Verhaltensänderungen eine Verbesserung meines Zustandes bewirke.
Natürlich gibt es auch hier Situationen, in denen wirklich nicht mehr mehr geht. Aber wenn ich mich umschaue, wären doch so einige Kranke weit weniger leidend, wenn sie ihre eigenen Möglichkeiten ausnutzen würden.
Für mich selbst bedeutet das, dass letztendlich doch immer noch ich die Verantwortung für mein Leben trage, trotz widriger Umstände und schwierigen Randbedingungen und vielleicht auch nicht optimaler Herkunftsfamilie.
Es ist mein Leben und alles, was ich erlebt habe, hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin.
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