Beim Begleiteten Malen sollen möglichst keine sich nahestehenden Personen gemeinsam im Atelier sein.
Zu Ostern schenkte ich den beiden Jungs meiner Schwester eine Maleinheit, die die beiden dann – unter Missachtung dieses Grundsatzes – gemeinsam absolviert haben. Dabei wurde mir allerdings auch ganz schnell deutlich, welche Bewandnis es damit auf sich hat. Beide richteten immer wieder ihre Aufmerksamkeit auf das Bild des anderen. Eifersucht beim Älteren wurde deutlich erkennbar, als der Kleine schon mehr Papier mit Farbe bedeckt hatte als er. Ein wirklich versunkenes und konzentriertes Malen haben die Beiden nur einen kleinen Teil der Zeit geschafft. Statt dessen wurde immer wieder das Bild des Bruders gelobt und durchaus kritisch beäugt. Die Aussage „das ist doch bloß Kritzelkratzel“ kam dem Großen zwar nicht über die Lippen, an der Nasenspitze war es ihm aber anzusehen, dass genau dieser Gedanke in seinem Kopf rumspukte.
Ich bin mir sicher, dass die Eifersucht des Größeren ganz sicher auch in Bildern zum Ausdruck kommen wird, die er in einer Gruppe mit fremderen Kindern malen darf. Sofern er dann nicht mir, der Tante, gegenüber gehemmt ist.
Doch auch meine Reaktionen wurden von beiden aufmerksamst registriert, dass ich keines der Bilder irgendwie lobte, verunsicherte die Zwei doch erstmal. Da ich mich ihnen gegenüber jedoch die ganze Zeit wohlwollend und aufmerksam verhielt und am Ende der Maleinheit auch lobte, dass sie so mit Spaß bei der Sache waren und sich im übrigen ganz vorbildlich an die Regeln gehalten haben, war es für sie dann doch ok.
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